Barista: Alle Welt spricht von KI – für die einen ist sie eine Verheißung für eine gute Zukunft, für die anderen ein großer Fluch für die Menschheit. Wer hat Recht?
Dirk Weber: Beide übertreiben. KI ist weder Heilsbringer noch Weltuntergang, sondern ein Werkzeug – ein mächtiges, aber eben ein Werkzeug. Entscheidend ist nicht die Technik, sondern was wir daraus machen. Für Vereine heißt das: KI nimmt lästige Fleißarbeit ab und schafft Zeit für das Eigentliche – das Ehrenamt, die Menschen, den Sport. Mein Plädoyer: nicht in Ehrfurcht erstarren, sondern neugierig ausprobieren.
Wie kann KI speziell Vereinen und Verbänden in ihrer täglichen Arbeit helfen oder ist das nur was für Technologie-Nerds?
Ganz klar: gerade NICHT nur für Nerds. Die größten Effekte sehe ich genau bei den Ehrenamtlichen, die chronisch unter Zeitmangel und immer größerer Aufgabenlast leiden. KI kann ihnen im Vereinsalltag sehr effektiv helfen, indem sie innerhalb von Minuten Protokolle und Berichte erstellt oder Förderanträge und Pressetexte vorformuliert. Auch Social-Media-Posts, Mitglieder-Mails, Übersetzungen, Sponsoren-Anschreiben oder komplizierte Satzungs- und Förderfragen lassen sich damit schnell verständlich aufbereiten. Die Einstiegshürde ist viel niedriger, als die meisten denken – man tippt die Aufgabe einfach in normalem Deutsch, was man braucht, und erhält im Handumdrehen einen ersten Vorschlag, mit dem sich sofort weiterarbeiten lässt.
Du schulst unter anderem Vereine in kostenlosen Einsteiger-Webinaren des Haus des Stiftens im Umgang mit KI. Was sind dabei die wesentlichen Learnings – für die Teilnehmenden, aber auch für dich als Experten?
Der „Aha-Moment” kommt für die Teilnehmenden fast immer schon beim ersten eigenen Versuch – plötzlich wird greifbar, woran man sich vorher mit großer Mühe, viel Aufwand und mancher quälenden Schreib- und Formulierungsblockade herantasten musste. Datenschutz und gesunde Skepsis gegenüber den Ergebnissen gehören immer dazu, sind aber kein Grund, gar nicht erst anzufangen. Wenn man aber erst einmal mit KI zu arbeiten gelernt hat, wird es auch gleich sehr spannend. Auch für mich als Experten. KI ist ein extrem volatiles Thema, wöchentlich gibt es neue Features, Anbieter, Produkte. Man muss nicht bei allem dabei sein. Ein solides Grundverständnis reicht aus, und man sucht sich ein für sich selbst und sein Umfeld passendes Modell heraus. Die wichtigste Botschaft – nicht nur für Vereine und Verbände, sondern auch im Privaten: klein anfangen, einen konkreten Anwendungsfall suchen und nicht auf die perfekte Lösung warten.
Ein Blick nach vorn: In 5 Jahren ist KI im Sport ….?
… so selbstverständlich wie heute die Vereins-Website oder WhatsApp – einfach Teil des eigenen Kommunikations-Werkzeugkastens und ein echter Entlastungshelfer fürs Ehrenamt. Indem KI Fleiß- und Pflichtübungen der Verwaltung übernimmt, gibt sie Zeit für Menschen zurück und damit für das Herz des Vereins: Begeisterung, Gemeinschaft, Bewegung. Das ist und bleibt menschlich.
Im Profil
Dirk Weber ist Diplom-Betriebswirt Wirtschaftsinformatik. In seiner Arbeit als selbstständiger Berater und Referent für Künstliche Intelligenz und digitale Transformation begleitet er Industrie und Non-Profit-Organisationen dabei, KI nicht nur technologisch, sondern als sinnvollen Teil der Organisationskultur zu verstehen. Unter anderem im Auftrag des Haus des Stiftens in München mit dem kostenfreien Programm „KI verein(t)“:
https://www.hausdesstiftens.org/non-profits/wissen/ki-vereint