Martin Hanselmann, Head Coach U18 Jugendauswahl Bavarian Warriors im American Football Verband Bayern
Barista: Ich gratuliere zur Aufnahme in die Hall of Fame des American Football Verbandes Deutschland. Wie kam es dazu?
Martin Hanselmann: Da war ich selbst ganz überrascht. Es waren über 170 Footballspieler heuer für die Aufnahme in die Ruhmeshalle des American Football in Deutschland vorgeschlagen. Nur drei Plätze wurden in der „Class of 2025“ vergeben. Dass die Wahl auf mich fallen könnte, damit hatte ich nicht gerechnet, freut mich aber umso mehr und macht mich ein bisschen stolz. Dass Martin Sauer, einer der bekanntesten Football-Schiedsrichter, und Wolfgang Kremser als weiterer Football-„Dinosaurier“ mit mir in die Ruhmeshalle gewählt wurden, macht die Auszeichnung für mich noch wertvoller.
American Football war nach dem 2. Weltkrieg ja wohl vor allem ein Sport der in Deutschland stationierten Army-Soldaten. Wie kamst du dazu?
Ursprünglich komme ich ja aus der Leichtathletik und bin dann über einen Freund zum American Football gekommen. Als ich 1983 als Receiver und dann auch als Quarterback bei den Rothenburg Knights meine Football-Karriere begann, stand der Spaß an dem Sport im Vordergrund. Da ahnte ich noch nicht, dass er mein Leben prägen sollte – als Cheftrainer unter anderem der Franken Knights, der deutschen Nationalmannschaft, der Düsseldorf Panther, der Nürnberg Rams, Cologne Falcons, Würzburg Panthers, Stuttgart Scorpions und Stuttgart Surge. Ich bin ganz schön rumgekommen in Deutschland.
Du warst auch Head Coach der Deutschen Football-Nationalmannschaft …
… von 2000 bis 2006 hatte ich parallel zu meinem Vereinstrainer-Job die Verantwortung für unsere Nationalmannschaft. Das war eine großartige Zeit. Die Jungs holten 2001 den Europameistertitel, gewannen WM-Bronze 2003 und 2005 die Goldmedaille bei den World Games. Da ging für sie und mich ein Traum in Erfüllung. Für mich auch deswegen, weil da die Saat aus der Pionierarbeit aufging.
Das scheint man ja auch im Mutterland des American Football so zu sehen. Wenn die NFL mit ihren Profis in den vergangenen Jahren immer wieder punktuell Station in Deutschland machen, zieht das eine große Begeisterung im Publikum nach sich. Was bedeutet das?
Dieser öffentliche Fokus tut unserer Sportart sehr gut. Das spüre ich auch deutlich beim Nachwuchs. Ich trainiere aktuell die U18 der bayrischen Landesauswahl. Die Jungs schauen natürlich auf ihre großen Vorbilder in den USA und manch einer träumt sicher insgeheim auch von einer Profikarriere in Übersee. Aber viel entscheidender finde ich, dass sie die Begeisterung für American Football leben und damit am Ende auch unseren fantastischen Sport in Deutschland und Bayern voranbringen. Gemeinsam sind wir auf einem sehr guten Weg. Jetzt die Talente zu fördern und unsere Sportstätten weiterzuentwickeln, sehe ich deswegen als eine Investition in die Zukunft. Wenn diese Botschaft von der Hall of Fame des American Football in Deutschland ausgeht, fühle ich mich dort sehr gut aufgehoben.