Roland Köh­ler, Prä­si­dent und Bun­des­trai­ner im Deut­schen Ju-Jutsu-Ver­band (DJJV) sowie Team­chef der Natio­nal­mann­schaft im Ju-Jutsu.

Baris­ta: Kürz­lich sind in Cheng­du die World Games zu Ende gegangen.
Man hat hier wenig davon gehört. Du warst dort. Wie war’s?

Roland Köh­ler: Medi­al ist hier­zu­lan­de die größ­te und bedeu­tends­te Sport­ver­an­stal­tung der nicht-olym­pi­schen Sport­ar­ten lei­der etwas kurz gekom­men. Dabei kann sich die Bilanz von Team Deutsch­land in Cheng­du wirk­lich sehen las­sen. Mit 45 Medail­len, davon 17mal Gold, 14mal Sil­ber und 14mal Bron­ze, belegt Deutsch­land Platz 2 im Medail­len­spie­gel. Da haben unse­re Ath­le­tin­nen und Ath­le­ten die Sport­na­ti­on super ver­tre­ten. Und Bay­ern hat dabei kräf­tig mitgemischt.

Inwie­fern?

Unse­re baye­ri­schen Ju-Jutsu-Ath­le­tin­nen und ‑Ath­le­ten haben mit gro­ßem Abstand die meis­ten Medail­len im Team Deutsch­land abge­räumt. Sophie Büscher gewann Gold in der Kate­go­rie Fight­ing bis 57 Kilo­gramm, genau­so wie Nike Hüne­cke und Julia Pas­kie­wicz, unser Mixed DUO Para mit visu­el­len Beein­träch­ti­gun­gen. Ales­san­dro Scho­ber und Chris­ti­ne Jahn hol­ten Sil­ber im Mixed DUO Para mit kör­per­li­cher Beein­träch­ti­gung. Bron­ze sicher­te sich Fran­zis­ka Freu­den­ber­ger im Fight­ing bis 63 kg. Knapp an einer Medail­le vor­bei schramm­ten Ian But­ler und Felix Pas­kie­wicz im DUO Men. Platz 4 ist auf World-Games-Niveau aber auch ein über­ra­gen­des Ergebnis.

Was hat es mit den Para-Dis­zi­pli­nen auf sich?

Mit Ju-Jutsu-DUO-Para gibt es bei uns ein Wett­kampf­sys­tem, bei dem Behin­der­te mit Nicht­be­hin­der­ten, egal ob Män­ner oder Frau­en, gegen­ein­an­der antre­ten, also Inklu­si­on pur. Hier geht Ju-Jutsu im Deut­schen Sport mit gutem Bei­spiel und einem echt span­nen­den Wett­kampf­for­mat vor­an. Das begrei­fen wir ein Stück weit auch als unse­ren gesell­schaft­li­chen Auftrag.

Wie lässt sich Leis­tungs­sport auf World-Games-Niveau pro­fes­sio­nell aufziehen?

Spit­zen­leis­tung ist kein Selbst­läu­fer und bedarf einer brei­ten, trag­fä­hi­gen Basis. Das geht defi­ni­tiv nur sehr viel ehren­amt­li­chen Enga­ge­ment und mit kon­se­quen­ter Sport­för­de­rung. Unse­re Gold­me­dail­len-Gewin­ne­rin­nen Julia Pas­kie­wicz und Sophie Büscher waren bei­de bis zum 23. Lebens­jahr im För­der­team der Baye­ri­schen Sport­stif­tung und haben heu­te Teil­zeit-Jobs im Sport, Julia im Nach­wuchs-Bun­des­trai­ner­team und Sophie als Pro­jekt­be­treue­rin “Leis­tungs­sport” im Ju-Jutsu-Ver­band Bay­ern. Auch Fran­zi Freu­den­ber­ger und Ian But­ler kön­nen Pro­fi­sport nur betrei­ben, weil sie jeweils als Lan­des­trai­ner Fight­ing zumin­dest Mini­jobs im Lan­des­ver­band gefun­den haben. Fran­zi ist zudem bei der Bun­des­wehr, wo sie viel Zeit für ihren Leis­tungs­sport ein­ge­räumt bekommt und dabei auch noch ihre Dok­tor­ar­beit in Psy­cho­lo­gie fer­tig­stel­len kann. Erfolg­rei­che Sport­bio­gra­phien wie die­se hän­gen maß­geb­lich von der Sport­för­de­rung durch den Frei­staat und durch Bun­des- und Lan­des­be­hör­den ab.

Was wünschst du dir von der Sport­för­de­rung in Bayern?

Dass wir nicht nach­las­sen und so gemein­sam fas­zi­nie­ren­den Sport mit hohem gesell­schaft­li­chem Stel­len­wert mög­lich machen. Dazu müs­sen wir mit dem Frei­staat im sport­fach­li­chen Gespräch blei­ben und die Bedar­fe ins­be­son­de­re im Nach­wuchs­leis­tungs­sport und bei der Infra­struk­tur dis­ku­tie­ren. Gera­de klei­ne­re Ver­bän­de kön­nen För­der­rück­gän­ge nicht kom­pen­sie­ren. Dann gehen ganz schnell die Lich­ter aus auf dem Top-Niveau. Die gute Nach­richt: Unse­re Ath­le­ten und Teams zah­len geziel­te För­de­rung auf der gro­ßen Büh­ne ger­ne und mit viel Herz­blut zurück. Die World Games sind dafür ein­mal mehr ein ein­drucks­vol­ler Beleg.