Baris­ta: Du bist mehr­fa­cher deut­scher Meis­ter, Euro­pa­meis­ter und jetzt sogar ein Junio­ren­welt­meis­ter im Was­ser­ski – aus Schwan­dorf. Da zie­he ich den Hut. Wie ist es denn dazu gekom­men? 

Tim Wild: Das war ehr­lich gesagt gar nicht so geplant. Es ist mein ers­tes Jahr in der Alters­ka­te­go­rie U 21, da woll­te ich mich eigent­lich eher auf neue Tech­ni­ken kon­zen­trie­ren, viel ler­nen und nicht so vie­le Wett­kämp­fe fah­ren. Die WM in Cal­ga­ry hat­te ich natür­lich auf dem Schirm, aber eher um Erfah­run­gen zu sam­meln. Obwohl ich mich da gar nicht mega drauf vor­be­rei­ten konn­te, lief es auf ein­mal rich­tig gut. Als ich dann nach dem Vor­lauf Ers­ter in der Kom­bi­na­ti­on war, spür­te ich, dass da was geht. Dass es sogar zu Gold zu reich­te, war dann natür­lich das Aller­größ­te für mich.

Was heißt denn eigent­lich Kom­bi­na­ti­on im Wasserski-Wettkampf?

Wir fah­ren vom Boot gezo­gen in den drei Dis­zi­pli­nen Sla­lom, Trick­ski und Sprin­gen. Beim Trick­ski haben wir zwei­mal 20 Sekun­den Zeit, um Tricks mög­lichst mit der höchs­ten Schwie­rig­keits­stu­fe zu zei­gen: Sal­tos, Flips , 540- oder 720-Grad-Dre­hun­gen. Ich mache am liebs­ten Front­flips – also Vor­wärts­sal­tos, bei denen man nicht sieht, wo man lan­det. Das ist eine rie­sen Gefühls­sa­che, genau­so wie bei den Sprün­gen über eine Schanze.

Wie weit geht es dabei?

Das Boot beschleu­nigt auf 57 Stun­den­ki­lo­me­ter. Da kata­pul­tiert es einen ordent­lich über die Schan­ze. Ich bin in die­sem Jahr 68,1 Meter gesprun­gen. Das ist schon sehr nah am Fliegen…

Bei euch ist Was­ser­ski ja gewis­ser­ma­ßen eine Fami­li­en­an­ge­le­gen­heit. Was ist denn da los bei euch in der Oberpfalz? 

Mein Papa und mei­ne Mama sind bei­de lei­den­schaft­li­che Was­ser­ski­fah­rer. Genau­so wie mein jün­ge­rer Bru­der Theo. Mein Vater war Junio­ren­welt­meis­ter und 45mal Deut­scher Meis­ter und drei­mal Euro­pa­meis­ter. Gemein­sam betrei­ben mei­ne Eltern den „Wild­Wake­Park“ am Stein­ber­ger See in Schwan­dorf. Sie haben mich schon früh auf dem Wake­board mit­ge­nom­men, mit drei Jah­ren stand ich dann erst­mals selbst auf dem Was­ser­ski. Mit mei­nen Eltern und mei­nem Bru­der trai­nie­ren wir so oft es geht am Haid­wei­her in Amberg oder eben bei uns in Schwan­dorf. Das macht echt Spaß zusammen.

Wel­che Rol­le spie­len für dei­ne leis­tungs­sport­li­che Ent­wick­lung neben der Fami­lie der Ver­ein und der Verband?

Also der Ver­ein ist mega wich­tig für mich. Ob beim Club Ski Nau­tique in Schwan­dorf oder beim WSC Haid­wei­her in Amberg, ich habe hier über­all sehr gute Trai­nings­be­din­gun­gen. Sonst wären die vier bis fünf Trai­nings­ein­hei­ten mit je 30 bis 45 Minu­ten auch gar nicht mach­bar. Der Baye­ri­sche Motor-Yacht-Ver­band und der Deut­sche Was­ser­ski- und Wake­board Ver­band unter­stüt­zen mich mit Mate­ri­al und wenn es dar­um geht, im Aus­land, zum Bei­spiel in Ame­ri­ka, Wett­kämp­fe zu fah­ren und in Trai­nings­la­ger zu gehen. Der Ver­band und die Leis­tungs­sport­för­de­rung sind eigent­lich mein größ­ter Sponsor.

Und wie geht es jetzt wei­ter für dich?

Ich bin zur Zeit noch auf dem Gym­na­si­um in der 13. Klas­se. Nach dem Abitur habe ich vor, in Ans­bach an der Fern­uni Inter­na­tio­nal Manage­ment zu stu­die­ren. Als Leis­tungs­sport­ler online zu stu­die­ren, gibt mir die Mög­lich­keit, par­al­lel dazu hier in der Ober­pfalz und in Ame­ri­ka zu trai­nie­ren und wei­ter­hin auf hohem Niveau Wett­kämp­fe zu bestrei­ten. Wenn ich mich wei­ter­hin so ver­bes­se­re wie in den letz­ten Jah­ren, kom­me ich hof­fent­lich mei­nen Traum näher, eine offe­ne Welt­meis­ter­schaft zu gewinnen.