Im Pro­fil: Uwe Augus­tin arbei­tet seit vie­len Jah­ren mit Ver­ei­nen, Ver­bän­den und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen zu Fra­gen von Demo­kra­tie, Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on und Kon­flikt­kul­tur. Sein Schwer­punkt: Wie blei­ben Orga­ni­sa­tio­nen hand­lungs­fä­hig ohne zu eskalieren?

Baris­ta: Wenn ich „Extre­mis­mus im Sport“ höre, den­ke zuerst an die gro­ßen Schlag­zei­len über Ras­sis­mus oder extre­mis­ti­sche Sym­bo­le im Sta­di­on. Aber wie sieht’s im Ver­eins­all­tag aus, geht es da genau­so laut zu?

Uwe Augus­tin: Es beginnt sel­ten mit einem orga­ni­sier­ten Auf­tre­ten. Im Ver­eins­all­tag begeg­nen einem viel öfter ver­meint­lich bei­läu­fi­ge Sprü­che, ein Kom­men­tar im Team­chat oder dis­kri­mi­nie­ren­de oder abwer­ten­de Äuße­run­gen zu ein­zel­nen Per­so­nen. Din­ge, die man schnell als „nicht so gemeint“ abtun könn­te. Aber wenn Men­schen sich abge­wer­tet oder aus­ge­schlos­sen füh­len, lei­det das Mit­ein­an­der. Und genau das ist ja die Grund­la­ge jedes Vereins.

Was unter­schei­det eigent­lich poli­ti­schen Extre­mis­mus von Alltagsdiskriminierung?

Dis­kri­mi­nie­rung, Ras­sis­mus und extre­mis­ti­sche Ideo­lo­gien sind unter­schied­li­che Phä­no­me­ne. Aber alles kann das Mit­ein­an­der im Ver­ein beschä­di­gen. Des­halb brau­chen wir grund­sätz­lich immer kla­re Hal­tung und Struk­tu­ren dazu im Verein.

 Vie­le Trai­ne­rin­nen und Trai­ner wol­len kei­nen gro­ßen Kon­flikt aus­lö­sen. Wie kann man reagie­ren, ohne zu eskalieren?

Man muss nicht laut wer­den, um klar zu sein. Oft reicht ein ruhi­ger Satz: „Stopp. So reden wir hier nicht.“ Damit ist die Gren­ze mar­kiert. Danach kann man fra­gen: „Was war dei­ne Absicht?“ Wich­tig ist, Ver­hal­ten anzu­spre­chen – nicht Men­schen zu ver­ur­tei­len. Das schafft Ori­en­tie­rung, ohne jeman­den vor­zu­füh­ren. Und genau das stärkt Respekt im Team.

Heißt das, Prä­ven­ti­on ist vor allem Kommunikation?

Kom­mu­ni­ka­ti­on ist ein zen­tra­ler Bau­stein. Aber Prä­ven­ti­on umfasst auch kla­re Struk­tu­ren, Zustän­dig­kei­ten und ver­bind­li­che Ver­fah­ren. Wenn alle wis­sen, was gilt und wer im Zwei­fel unter­stützt, ent­steht Sicher­heit. Das ent­las­tet übri­gens auch Trai­ne­rin­nen und Trai­ner enorm.

Klingt nach viel Auf­wand für Ehrenamtliche.

Es muss nicht kom­pli­ziert sein. Ein Bei­spiel: Vor dem Trai­ning zehn Minu­ten inves­tie­ren. Drei Fra­gen ans Team:

  • Wie wol­len wir mit­ein­an­der sprechen?
  • Was tun wir, wenn jemand eine Gren­ze überschreitet?
  • An wen kön­nen wir uns wenden?

Wenn die­se Ant­wor­ten sicht­bar fest­ge­hal­ten wer­den – im Ver­eins­heim und im Team­chat – wirkt das oft stär­ker als jede lan­ge Dis­kus­si­on im Ernst­fall. Dabei ist ent­schei­dend, dass Mel­dun­gen ver­trau­lich behan­delt wer­den und der Schutz der Betrof­fe­nen Vor­rang hat. Nur so ent­steht Vertrauen.

Was ist Ihr wich­tigs­ter Rat an Vereine?

Respekt ist trai­nier­bar. So wie Tech­nik oder Tak­tik. Fes­te Ver­fah­ren hel­fen Span­nun­gen abzu­bau­en und Eska­la­tio­nen zu ver­mei­den. Wer kla­re Regeln schafft, ruhig anspricht und Struk­tu­ren ver­an­kert, sorgt dafür, dass der Ver­ein ein Ort bleibt, an dem alle dazu­ge­hö­ren kön­nen. Und das ist am Ende die stärks­te Prävention.