Der Prä­si­dent des Deut­schen Rin­ger­bun­des Man­fred Wer­ner ist mit 75 Jah­ren in den Ruhe­stand getre­ten. In sei­nem tra­di­tio­nel­len Tagungs­ho­tel „Edel­fin­ger Hof“ in Bad Mer­gen­theim wähl­te der DRB mit dem Rem­schei­der Jens-Peter Net­te­ko­ven (43) einen neu­en Prä­si­den­ten und ver­ab­schie­de­te zuvor mit sei­nem Vor­gän­ger Man­fred Wer­ner einen der ver­dienst­volls­ten Funk­tio­nä­re des deut­schen Rin­ger­sports in den Ruhestand.

Seit 2005 hat­te der dyna­mi­sche 75-jäh­ri­ge Unter­fran­ke aus Veits­höch­heim den DRB geführt, ihm mit sei­nem Mit­ar­bei­ter­team sta­bi­le und erfolg­rei­che Struk­tu­ren gege­ben. Bes­tes Zeug­nis dafür sind die 344 Medail­len, die deut­sche Rin­ger und Rin­ge­rin­nen in die­sen 16 Jah­ren bei inter-natio­na­len Meis­ter­schaf­ten erkämpft haben — in einer Sport­art, die stär­ker als je zuvor von den Län­dern der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on beherrscht wird.

Glanz und Stolz im 16. Prä­si­den­ten­jahr von Man­fred Wer­ner (der übri­gens zeit­gleich mit Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel „regier­te“) ver­brei­te­ten zum Abschied noch ein­mal drei olym­pi­sche Medail­len (Gold und zwei­mal Bron­ze), mit denen Ali­ne Rot­ter-Focken, Frank Stäb­ler und Denis Kud­la das Niveau des deut­schen Rin­ger­sports demons­triert haben.

Ein kämp­fe­ri­scher Unterfranke

„Auf der Mat­te gestan­den“ hat der Fran­ke Wer­ner aus­dau­ernd wie ein Mara­thon­läu­fer: 63 Jah­re lang! Zehn davon als Akti­ver beim eins­ti­gen Eisen­bahn- und Tur­ner-Sport-Ver­ein (ETSV) Würz­burg. Zu Titel­eh­ren kam er dabei nicht. Dafür agier­te er mit viel Erfolg beim Nach­barn, dem TV Unter­dürr­bach. Als er, 22 Jah­re alt, im klei­nen Wein­ort eine Rin­ger-Abtei­lung ins Leben rief, sie 25 Jah­re lang lei­te­te, trai­nier­te; sogar in die II. Bun­des­li­ga führ­te. Anno 2021 rin­gen sei­ne unter­frän­ki­schen „Gla­dia­to­ren“ in der Bayernliga.

Nach einer von Man­fred Wer­ner und den Unter­dürr­ba­cher Rin­gern 1981 mus­ter­gül­tig orga­ni­sier­ten Deut­schen Meis­ter­schaft hol­te ihn die Stadt Würz­burg ins Städ­ti­sche Sport­amt. Aus dem gelern­ten Buch­dru­cker wur­de ein pro­fes­sio­nel­ler Orga­ni­sa­tor, der par­al­lel dazu wei­ter­hin im Ehren­amt dem Ring­kampf­sport dien­te, als Kampf­rich­ter mit allen Lizen­zen für natio­na­le und inter­na­tio­na­le Wett­kämp­fe. 35 Jah­re lang, in meh­re­ren hun­dert Kämp­fen, stand Man­fred Wer­ner als Schieds­rich­ter auf den Mat­ten Deutsch­lands und der Welt. Sei­ne Höhe­punk­te: Olym­pia-Refe­ree 1996 und die Aus­zeich­nung mit der Gol­de­nen Pfei­fe, gewis­ser­ma­ßen der „Oscar“ des Ringer-Weltverbandes.

Schluss mit der „Ära in Weiß“ (als Schieds­rich­ter und Chef der deut­schen Kampf­lei­ter) war 2005, als ihn, den mitt­ler­wei­le Bay­ri­schen Ver­bands­prä­si­den­ten, die 19 Regio­nal­ver­bän­de des DRB mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit zu ihrem Prä­si­den­ten wählten.

Kla­re Ansagen

Man­che haben das in gewis­sen Situa­tio­nen viel­leicht bereut; denn Man­fred Wer­ner war stets ein Mann der direk­ten Wor­te und kla­ren Ent­schei­dun­gen. Gewiss waren nicht alle immer rich­tig. Aber wer ist schon feh­ler­frei? Sein Tem­pe­ra­ment ließ ihn gele­gent­lich auch laut wer­den. Sagt er doch sel­ber: „Ich weiß, manch­mal hat es schon arg gepoltert“.

Aber, so „arg“ kann es nicht gewe­sen sein: 16 Jah­re Prä­si­dent! Da muss man schon gut sein und etwas geleis­tet haben. Stimmt! Man­fred Wer­ner — ein erfolg­rei­ches Leben für den Rin­ger­sport. Der Autor als Jahr­zehn­te lan­ger Weg­be­glei­ter bezeugt es.

In sei­nem Han­deln und sei­nen Äuße­run­gen ging es ihm stets um die Sache und um den Verband.

Des­halb wur­de die Jah­res­haupt­ver­samm­lung in Bad Mer­gen­theim, sein Abschied, zu einer Ent­täu­schung für ihn: ein Teil der Dele­gier­ten woll­te Wer­ner und sei­ne Füh­rungs­mann­schaft nicht ent­las­ten, weil nach einem der vie­len Ver­fah­ren mit der so genann­ten Deut­schen Rin­ger Liga (aus Sicht des Dach­ver­ban­des DRB ille­gal) „viel­leicht noch eine Scha­den­er­satz­for­de­rung kom­men könnte“.

Ein Glück für den Funk­tio­när war die Frau an sei­ner Sei­te, Gat­tin Gise­la. 53 Jah­re hat sie ihren Mann mit dem Sport „geteilt“, hat ver­zich­tet; hat ihm Kraft gege­ben, als sie selbst kaum noch wel­che hat­te. Eigent­lich müss­te ihr Name auch mit auf der Urkun­de ste­hen, die Man­fred Wer­ner von sei­nem Nach­fol­ger, Jens-Peter Net­te­ko­ven, Ver­bands­chef und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter in NRW, über­reicht bekam — als fort­an „Ehren-Prä­si­dent des DRB“.

IOC lobt das Lebenswerk

Ehr­be­zeu­gun­gen erwie­sen dem schei­den­den Rin­ger­prä­si­den­ten (Coro­na geschul­det per Video) zahl­rei­che Per­sön­lich­kei­ten aus Sport und Poli­tik. So grüß­te IOC-Prä­si­dent Dr. Tho­mas Bach aus Lau­sanne. Der Fran­ke aus Tau­ber­bi­schofs­heim lob­te den Fran­ken aus Würz­burg für sein Lebens­werk; ins­be­son­de­re sein kämp­fe­ri­sches Enga­ge­ment, als Rin­gen (die ältes­te olym­pi­sche Dis­zi­plin) 2013 aus dem Pro­gramm gestri­chen wer­den sollte.

Mit Hoch­ach­tung bedank­ten sich gleich­falls der Rin­ger-Welt­prä­si­dent Nenad Lalo­vic, DOSB-Prä­si­dent Alfons Hör­mann und Öster­reichs Rin­ger­prä­si­dent Tho­mas Rei­chen­au­er für eine bei­spiel­haf­te Part­ner­schaft. Eben­so die deut­schen Prä­si­den­ten-Kol­le­gen Ingo Weiss (Bas­ket­ball) und Dr. Alfons Hölzl (DTB) sowie der Chef der Sport­för­der­grup­pe der Bun­des­wehr, Andre­as Hahn. Staats­se­kre­tär Ste­phan May­er tat es für das BMI.

Auch für Dort­munds Alt-OB Ull­rich Sier­au war Wer­ner ein wert­vol­ler Part­ner — in der Tra­di­ti­ons­stadt Stadt der Rin­ger, in der der DRB sei­ne Geschäfts­stel­le hat und die vie­le Groß­ver­an­stal­tun­gen der Rin­ger mög­lich mach­te. Schließ­lich zoll­ten zwei wei­te­re Welt­ver­bands­prä­si­den­ten ihrem „rin­gen­den Lands­mann“ Wer­ner Aner­ken­nung, Tho­mas Konietz­ko (Kanu) und Tho­mas Wei­kert (Tisch­ten­nis).

Nach­fol­ge als har­tes Rin­gen — und bei­spiel­haf­tem Fair Play

Nach so vie­len schö­nen Gruß­adres­sen wur­de die Wahl von Wer­ners Nach­fol­ger dann ein har­tes Rin­gen. Zwei Kan­di­da­ten. Drei Wahl­gän­ge. Drei­mal das Resul­tat 34:34! Sat­zungs­ge­mäß hät­te nun das Los ent­schei­den müssen.

Glück­li­cher­wei­se folg­te man dem Ein­wand, dass „die Wahl zum Prä­si­den­ten eines olym­pi­schen Sport­ver­ban­des kein Glücks­spiel ist“. Also berie­ten sich die Bewer­ber in einer Blitz­klau­sur unter vier Augen. Kurz danach ver­kün­de­te Wahl-Mode­ra­tor Peter Fre­se (Ehren­prä­si­dent des Judo Ver­ban­des), dass einer der bei­den Her­aus­for­de­rer groß­her­zig sei­nen Ver­zicht erklärt habe: Dr. med. Klaus Johann (60), Chef­arzt am Kli­ni­kum Merzig/Saarland, geschätzt als lang­jäh­ri­ger DRB-Ver­bands­arzt. Ein „Rin­ger durch und durch“. Die­ser Ges­te folg­te zunächst betrof­fe­ne Stil­le, danach ste­hen­der Applaus — für ein Fair Play, wie es in die­ser Form im deut­schen Sport bis­her wohl ein­ma­lig ist.

Nach Wahl­dra­ma­tik auf Augen­hö­he ist Jens-Peter Net­te­ko­ven der neue DRB-Prä­si­dent. Die Amts­zeit von Man­fred Wer­ner end­gül­tig Geschich­te — dem Mann, der „rund um die Uhr“ für den deut­schen Ring­kampf­sport gelebt hat.

Text: Klaus Anger­mann / Fotos: Poli­zei Bay­ern und Deut­scher Rin­ger-Bund e.V.