Auf einen Espresso mit Sandra Otte, Beachvolleyballerin und U18 Weltmeisterin vom TV Lenggries
Barista: In Deutschland steht die Entscheidung des DOSB über eine mögliche Bewerbung für Sommerspiele in den Olympiazyklen 2036 bis 2044 an. Was spricht für dich als junge Sportlerin für die Spiele in Bayern?
Sandra Otte: Sehr viel. Ich bin schließlich selbst in Bayern aufgewachsen und habe hier einen großen Teil meines sportlichen Weges verbracht. Daher weiß ich, wie hoch in Bayern der Stellenwert des Sports ist – sowohl im Leistungs- wie auch im Breitensport. Ich habe selbst erlebt, wie sportbegeistert die Menschen hier sind und wie stark sie sich mit ihrer Region identifizieren. München hat ja schon einmal olympische Geschichte geschrieben und gezeigt, dass es den olympischen Gedanken mit Leben erfüllen kann. Für mich ist München heute eine moderne und internationale Stadt, die gleichzeitig die besondere Kultur und Landschaft Bayerns miteinbezieht – mit anderen Worten: wie gemacht, um die Welt über den Sport willkommen zu heißen.
Wie wichtig ist Olympia fürs Beachvolleyball und deinen eigenen sportlichen Weg?
Olympia hat für mich und den Beachvolleyball allgemein eine riesige Bedeutung und fast schon etwas Magisches. Die Spiele bieten die wahrscheinlich größte Bühne, die unser Sport überhaupt bekommen kann. Deswegen ist Olympia mein größter Traum und einer der wichtigsten Gründe, warum ich täglich so viel in diesen Sport investiere. Als Sportlerin denke ich nicht nur von Turnier zu Turnier und von Saison zu Saison. Es braucht vielmehr immer auch ein übergeordnetes, langfristiges Ziel: Olympia. Dies ist für mich auch deswegen besonders wichtig, um nach Rückschlägen immer weiterzumachen, an mich zu glauben und auf dem Weg dorthin jeden einzelnen Schritt wertzuschätzen und persönlich daran zu wachsen.
Welchen positiven Schub könnte der Sport in Bayern und speziell deine Sportart von den Spielen „dahoam“ gut vertragen?
Mehr Begeisterung für den Sport insgesamt. Gerade für Kinder und Jugendliche. Wer Vorbilder live erlebt, kann daraus eine enorme Motivation ziehen, selbst sportlich aktiv zu werden. Beachvolleyball als junge olympische Sportart würde aus den „Heim-Spielen“ bei uns sicher eine viel größere Sichtbarkeit erlangen und könnte so noch bekannter und attraktiver für den Nachwuchs werden.
Worin siehst du die größte Faszination deiner Sportart – auch als Argument für eine positive Entscheidung zur Münchner Bewerbung?
Beachvolleyball lebt von der Atmosphäre und von Emotionen – der Spieler wie auch des Publikums. Dies trifft in Bayern und speziell in München auf einen besonders fruchtbaren Boden. Ich erlebe hier eine einzigartige Verbindung aus Sportbegeisterung, Traditionen und der besonderen Natur Bayerns. Beachvolleyball passt da hervorragend rein. Dafür dürfen wir als Sportlerinnen und Sportler mit Selbstbewusstsein und auch mit ein bisschen Eigeninteresse werben. Olympia in Bayern kann ein wichtiger Schlüssel dafür sein, dass Sport im Freistaat nachhaltig vorankommt und zukunftsfit bleibt, z.B. durch bessere Trainingsstätten und eine größere Begeisterung der jüngeren Generationen, selbst Sport zu machen.
Hast du einen ganz persönlichen olympischen Traum, aus dem du besondere Kraft und Motivation ziehst?
Ja, und dieser Traum schwingt immer mit. Ich verbinde dabei Bayern mit für mich absolut wegweisenden sportlichen und persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen, ohne die ich nicht da wäre, wo ich jetzt bin. Hätte man der kleinen Sandra vor zehn Jahren in Lenggries gesagt, dass sie mal U18-Weltmeisterin wird, hätte sie es niemals glauben können. Wenn ich die Möglichkeit bekäme, genau dort, wo für mich sportlich so viel begonnen hat, irgendwann bei Olympia für Deutschland auf dem Feld zu stehen, würde sich für mich der Kreis perfekt schließen. Gerade weil meine sportliche Entwicklung in Bayern begonnen hat und ich meinem Heimverein, dem TV Lenggries, und der Bayernauswahl auf meinem Weg unglaublich viel zu verdanken habe.
Foto: justus.photos.